Griechenlandfahrt

Griechenland hautnah – On Tour with Maria

Dienstagnachmittag, der 29.09.2015, im Sekretariatsflur des Quirinus-Gymnasiums, 16:00 Uhr Ortszeit – die für den morgigen Tag anberaumte Griechenlandfahrt stand auf Messers Schneide! Der worst case war eingetreten: Kurzfristig war einer der ursprünglich begleitenden Lehrer erkrankt und es musste dringend ein Ersatz her, um die Fahrt ordnungsgemäß durchführen zu können. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Der sofort einberufene Krisenstab, bestehend aus der Schulleitung und den beiden begleitenden Lehrerinnen Frau Radon und Frau Wünsche, setzte gleichsam Himmel und Hölle in Bewegung, um einen Begleiter bzw. eine Begleiterin aus dem Kollegenkreis oder gar aus der Elternschaft zu rekrutieren. Sogar der private Freundeskreis wurde in Form hektischer Telefonate zwischen Unterricht und Krisenstabsmanagement kontaktiert. Aber alle Mühsal schien vergebens!!! Fast schien es unvermeidlich, 37 Schülerinnen und Schülern die bittere Botschaft überbringen zu müssen, von den juristisch-rechtlichen Konsequenzen einer Stornierung der Fahrt ganz zu schweigen ….

Da nahte die Rettung in irdischer Gestalt –  Frau Ehrlich eilte ahnungslos just in der Stunde der höchsten Not über den Sekretariatsflur auf dem Weg zu ihrem Nachmittagsunterricht! Ein Wink des Schicksals! Frau Wünsche ließ sich diese einmalige Chance nicht entgehen und konfrontierte ihre Kollegin – halb im Scherz – überfallartig mit der Frage, ob sie denn nicht spontan Lust habe, morgen früh ab 7:00 Uhr für acht Tage gen Griechenland zu reisen.

Man mag es kaum glauben, aber trotz – oder gerade wegen – der Überrumpelungstaktik sagte Frau Ehrlich zu: „Warum eigentlich nicht?“ Sodann galt es noch einige Formalia zu klären und ein häusliches Veto zu verhindern, aber die Durchführung der Fahrt war gerettet, Frau Ehrlich sei Dank!!!

So konnten sich 37 erwartungsfrohe Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9 – 12 am kommenden Morgen um 7:00 Uhr am Quirinus-Gymnasium versammeln, um den Transfer zum Flughafen Düsseldorf anzutreten, von wo die große Fahrt starten sollte. Thessaloniki – Kalambaka – Delphi – Athen – die Peloponnes mit Epidauros, Mykene und Nauplio – Dion und Paralia galt es in den kommenden acht Tagen zu erkunden.

Zwei Teilnehmer der Fahrt ließen sich gewinnen, um aus erster Hand beredtes Zeugnis über ihre Erfahrungen abzulegen. Dabei liest sich der Erfahrungsbericht von Stephan wie folgt:

„Die antike Königsstadt Mykene mit dem Schatzhaus des Atreus, das weltberühmte Orakel von Delphi – damals der „Nabel der Welt“, heute Weltkulturerbe – und die Metropole Athen mit der über 2000 Jahre alten Akropolis und einer großen und besonders bei Nacht beeindruckenden Altstadt sind nur wenige der Sehenswürdigkeiten und Städte, die wir auf der diesjährigen Griechenlandfahrt unserer Schule besichtigen konnten.

Los ging´s am Mittwoch vor den Herbstferien, als wir uns morgens mit 37 Schülern von der neunten bis zur zwölften Klasse auf den Weg zum Düsseldorfer Flughafen machten, um von dort aus in den Norden von Griechenland – nach Thessaloniki – zu fliegen. Begleitet wurden wir dabei von Frau Wünsche, Frau Radon und Frau Ehrlich, die erst am Dienstagnachmittag kurzfristig für Herrn Knipp eingesprungen war.

Nach einer kurzen Pause am Flughafen, wo die meisten von uns erstmals mit der griechischen Kultur in Verbindung kamen, brachen wir mit unserem Reisebus auf in Richtung Kalambaka, dem Ort unseres ersten Hotels.

Auf der Fahrt dorthin lernten wir unsere Reisebegleiterin Frau Maria und den Busfahrer Stanislaw kennen, die uns fortan die ganze Woche über begleiteten.“

Es sei auf eine typisch griechische Gepflogenheit hingewiesen, welche Frau Maria direkt vor Ort umsetzte, um die deutschen Besucher mit der heimischen Kultur vertraut zu machen: Fortan firmierten die Begleiterinnen des Quirinus-Gymnasiums nicht mehr unter ihren Nachnamen, sondern wurden kurzerhand in Frau Nadine, Frau Erika und Frau Christine umgetauft – eine für deutsche Schülerinnen und Schüler doch sehr gewöhnungsbedürftige Form der Ansprache, die sich aber unter den betroffenen Kolleginnen sehr schnell etablierte.

„Frau Maria erläuterte uns den Ablauf der Griechenland-Fahrt: Vom nördlich gelegenen Thessaloniki fahren wir immer weiter Richtung Süden, so dass wir nach Zwischenstopps in Kalambaka und Delphi am dritten Tag in Athen ankommen. Von dort aus bringt uns der Bus ab dem vorletzten Tag – mit Zwischenübernachtung in Paralia – wieder zurück nach Thessaloniki.

Bevor wir am Abend in Kalambaka ankamen, legten wir noch einen Zwischenstopp in Vergina ein. Dort besichtigten wir jene Grabhügel, unter denen auch der Vater von Alexander dem Großen liegen soll, Philipp II..

Am Abend checkten wir in unserem ersten Hotel in Kalambaka ein.

Am nächsten Morgen ging es auf zu den weltbekannten Meteora-Klöstern, von denen wir zwei Stück besuchten. Die in den Bergfelsen errichteten Gebets- und Wohnhäuser für Mönche und Nonnen boten uns dabei eine beeindruckende Kulisse. Nur durch Treppen, die an den steilen Felsen tief über dem Abgrund entlangführten, konnten wir die beiden Klöster erreichen. Bei unserem Besuch mussten die Jungen mindestens knielange Hosen und die Mädchen lange Röcke tragen.

Nachdem wir die Klöster verlassen hatten, konnten wir auf den Felsen die spektakuläre Aussicht auf die Berglandschaft und das hunderte Meter unter uns gelegene Tal genießen, bevor wir mit dem Bus Richtung Delphi weiterfuhren.

Im Hotel angekommen, gingen die meisten von uns nach dem Abendessen noch durch die vom Tourismus lebende Kleinstadt, wobei Kleinstadt sich größer anhört, als es tatsächlich ist: Delphi besteht nämlich aus lediglich zwei parallel gelegenen (Anm. des Hrsg.) Hauptstraßen. Das Hotel selbst war an einem Berghang gebaut, was dazu führte, dass jeder im Untergeschoss Zimmer bezog, die allesamt Balkone mit beeindruckendem Panorama boten.

Der Freitag begann mit einem Highlight unserer Fahrt: Nach dem Frühstück machten wir uns auf zu einem der berühmtesten Orte der Antike, dem Orakel von Delphi, wo mythischen Erzählungen nach die sogenannte „Pythia“ von antiken Herrschern vor wichtigen Feldzügen um eine Weissagung gebeten wurde. Am Tempel des Apollon, der in einem kleinen Tal liegt, fing unsere Besichtigung an. Von dort gingen wir – vorbei am Theater, wo heute laut unserer Reisebegleiterin Frau Maria noch Aufführungen stattfinden, und den Schatzhäusern von Delphi – hinauf zum antiken Stadion mit seiner ovalförmigen Laufbahn.gf1

Gegen Mittag, nach dem Besuch des Museums von Delphi, brachen wir in Richtung Athen auf, dem südlichen Ziel unserer Reise, wo wir bis Dienstag blieben.“

Frau Maria war zu verdanken, dass unser vom Reiseveranstalter geplantes Programm um weitere unvorhergesehene Highlights ergänzt wurde, wie der Zwischenstopp in einem hoch gelegenen malerischen Gebirgsdorf, welches im Winter sogar den Ausgangspunkt für Alpin-Ski bietet – eine Sportart, die der gemeine Griechenlandreisende wahrscheinlich nicht mit diesem Land verbindet.

„Bereits bei der Einfahrt mit unserem Bus wurden die Gegensätze im Vergleich zu allem, was wir bisher in Griechenland gesehen hatten, mehr als deutlich. Vor allem die Größe und die dichte Ansiedlung der griechischen Hauptstadt fielen besonders im Vergleich zu den vorher ländlichen Gegenden stark auf: Mehr als 650.000 Menschen fasst die Stadt, 17.000 Athener wohnen durchschnittlich auf einem Quadratkilometer. Auf der Dachterrasse unseres Hotels bot sich uns eine super Kulisse über die dicht angesiedelten Häuser, die Akropolis und die Athener Altstadt, die wir an den Abenden, in denen wir in der Metropole waren, kennenlernen konnten.

Erwähnt werden sollte aber auch der hauseigene Pool, der sich auf der Dachterrasse befand und einen fotoreifen Ausblick auf die betriebsame Metropole bot. Da er allerdings nicht beheizt war, konnten sich seiner nur sehr hartgesottene Schülerinnen und Schüler erfreuen. Aber man munkelt, dass sich unter den Teilnehmern auch einige Beherzte fanden, die sich mutig in die eisigen Fluten stürzten ….

Die Metropole Athen rief bei unserem zweiten Zeitzeugen Taha folgende Erinnerungen hervor:

„Griechenland ist für seine Schuldenkrise, Gyros und antike Tempelstätten bekannt, in Athen bekamen wir alles frei Haus geliefert: Die Menschen mussten – aufgrund der mediterranen Ladenöffnungszeiten (Anm. des Hrsg.) bis spät abends arbeiten, jeden Tag aßen wir Gyros und pilgerten zur Akropolis. Die Akropolis sah sehr beeindruckend aus, und das nach über zweitausend Jahren!“ Leider sind die Restaurierungsarbeiten noch nicht abgeschlossen, sodass das Wahrzeichen der Stadt sich von Gerüsten umhüllt präsentierte. 

„Durch die unendliche Güte unserer Lehrerinnen Frau Christine, Frau Erika und Frau Nadine war es uns sogar vergönnt, am Abend frei  – natürlich in den obligatorischen Kleingruppen! (Anm. des Hrsg.)in der Athener Altstadt, der Plaka, herumzulaufen.

Am nächsten Tag fuhren wir auf die Peloponnes, und zwar erst nach Mykene, um die „Zyklopenstadt“ mit ihren berühmten Zyklopenmauern zu besichtigen inklusive einem Museum.“ Dort galt es eine Replik der sagenumwobenen Totenmaske des Agamemnon und ein monumentales Kuppelgrab zu bestaunen.

„Weiter ging es nach Nauplio, einer Küstenstadt – sehr selten in Griechenland! -, welche von der wuchtigen Palamidi-Festung überschattet wurde.“

999 steile Stufen einer in den Fels gehauenen Treppe hinab mussten gemeistert werden, um in die am Fuße der Festung gelegene ehemalige Hauptstadt hinab zu gelangen – eine nur für Schwindelfreie geeignete Tour. Deswegen konnte sich die Neusser „Schülergesandtschaftʺ glücklich schätzen, dass der angeheuerte Reisebus auf die Festung hinauf fuhr, um dort seine Fahrgäste zu entlassen, und nicht unten im Ort Station machte. Denn die schweißüberströmten Gesichter anderer treppauf steigender Touristen ließen Böses ahnen! Wenn Frau Maria nicht so mitfühlend gewesen wäre und dem Laufinteresse des deutschen Durchschnitts-Schülers nicht Rechnung getragen hätte, hätte es auch andersherum laufen können.

„An der Promenade wurde eine interessante Entdeckung durch Q2-Schüler gemacht: Es wurde eine unbekannte Spezies entdeckt, welche auch unsere Biologie-Gurus Frau Erika und Frau Nadine keiner bekannten Gattung zweifelsfrei zuordnen konnten. Somit bleib es ein Rätsel, was dieses Pudding förmige Wesen war.

Zum krönenden Abschluss des Tages „durftenʺ wir nach Epidaurosʺ – nicht um irgendein Theater anzusehen, sondern die touristische Sensation schlechthin: Einer der besterhaltenen Theaterbauten der griechischen Antike, welcher für seine sensationelle Akustik weltberühmt ist. Zugleich handelt es sich bei dem Areal aber auch um ein Wellness-Resort der Spitzenklasse, welches dem Vergleich mit entsprechenden modernen Pendants in jeder Hinsicht gewachsen ist.

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„Der  nächste Tag brach an, und wir konnten das erste Mal an den Strand. Dort lernten wir zwei Dinge: Nicht alle Strände in Griechenland sehen umwerfend aus und Griechen verstehen unter „Burger“ ausschließlich Hackfleisch.“ Die Wahl des Strandes überließen wir unserem ortskundigen Busfahrer, dessen Prioritätensetzung – Nähe zum Poseidon-Tempel und Einkehrmöglichkeiten – scheinbar nicht den Erwartungen einiger Schüler entsprach. Aber für ein erfrischendes Bad im Meer taugte die Wahl des Standortes allemal, zumal sich der viel gerühmte Poseidon-Tempel in unmittelbarer Nähe befand, welcher von Heerscharen von Touristen wegen seines atemberaubenden Sonnenuntergangs allabendlich angesteuert wird.

„Dies waren die letzten Stunden in Athen. Am nächsten Tag fuhren wir nun sieben Stunden lang nach Norden zu unserem letzten Ziel Paralia. Gott sei dank hatten wir zwei Pausen, das erste Mal hielten wir in der Nähe des Olymps. Dort konnten wir uns durch Klettereien austoben.“ Zwar konnte kein alpiner Klettersteig geboten werden, aber die Wanderung durch die Enipea-Schlucht bot den Füßen die Möglichkeit, sich wieder ihrer ureigenen Funktion bewusst zu werden.

„Der zweite Stopp hat die Funktion der Entspannung nicht ganz getroffen, wir wurden quasi dazu genötigt, uns Thermen anzuschauen. Das allein klingt schon nach einer Qual, welche sich jedoch durch die Anwesenheit von ungefähr einer Millionen Mücken verschlimmerte. Am Ende waren wir froh, dass wir in den Bus steigen durften.“ An dieser Stelle differierten Schüler- und Lehrerperspektive ganz beträchtlich: Während sich die begleitenden Lehrerinnen auch von den blutrünstigen Insekten nicht abschrecken ließen, um ihren unersättlichen Wissensdurst zu befriedigen, konnten bzw. wollten nur ganz wenige Lerneifrige ihrem Beispiel folgen. Diese Todesmutigen wurden aber mit einem Rundgang durch das Ausgrabungsareal unter kurzweiliger Ägide von Frau Maria mehr als belohnt.

„Am Abend wurden wir alle aber belohnt. Wir kamen in der Küstenstadt an der olympischen Riviera, in Paralia, an und checkten sofort im Hotel ein, das hundert Meter vom Strand entfernt lag. Dieser Strand spiegelte das Vorurteil der perfekten griechischen Strände wider. Dieser Tag war der krönende Schluss der Griechenlandfahrt, besser hätte es schwer werden können: Wir liefen in der kleinen vom Tourismus lebenden Stadt herum, aßen im Hotel, zwei helle Köpfe sperrten sich im Bad ein und wir durften bis zwölf Uhr draußen sein.ʺ Die Ausweitung der Nachtruhe wurde nach zähen Verhandlungen dann doch zugunsten der mitreisenden Schülerinnen und Schüler einvernehmlich vom Lehrpersonal beschlossen.

 „Aus irgendeinem Grund war es diesmal anders, wir bildeten unsere Gruppen nicht mehr nach Jahrgangsstufen. Dies war ein Phänomen, was ausschließlich an diesem Abend entstand, so lernten wir zum ersten Mal die Schüler aus den anderen Stufen kennen“ – womit eine wichtige soziale Kompetenz – ganz lehrplankonform! – erfolgreich erworben werden konnte. In den jüngeren Jahrgangsstufen fand die Durchmischung aber schon zu einem früheren Zeitpunkt statt, was allein durch die Zimmereinteilung bei einer so heterogenen Gruppe bedingt war. Da ließ sich der Kontakt zu Schülerinnen und Schülern deutlich jüngeren Alters zuweilen gar nicht vermeiden, was sich – den im Vorfeld vorgebrachten Bedenken zum Trotze –  als ein durchweg positiver Effekt erwies.

„Der nächste Tag bestand nur aus Einpacken, Nach-Thessaloniki-Fahren und dort In-das Flugzeug-Steigen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Griechenland ein sehr schönes Urlaubsziel ist: Die Natur ist atemberaubend, die Altstadt in Athen ist zwar nicht atemberaubend, aber doch in Ordnung. Diese Mischung mit drei lockeren Lehrerinnen machte die Griechenlandfahrt zu einem so vollen Erfolg, dass man defekte Toiletten“ – mit einer für deutsche Verhältnisse sehr gewöhnungsbedürftigen Art des Spülvorgangs – „schnell vergisst“.

 

Zeitzeugen: Stephan Glasmacher, Taha Yasin

Lektorat und Adnotationes: Anne-Christine Wünsche