Schulgeschichte

 

Das Quirinus-Gymnasium blickt als älteste Neusser Schule auf mehr als 700 Jahre Geschichte zurück. Dabei hat es im Laufe der Jahrhunderte vielfältige Änderungen und Reformen des Schulsystems erlebt und überlebt.

Ein genaues Gründungsdatum der ältesten Vorgängerschule, der Neusser Lateinschule, ist nicht überliefert. Der früheste Beleg für deren Existenz ist eine Urkunde, die der Schulleiter, ein “Magister Johannes”, als Zeuge unterschrieb.

Die konkreten Daten:

1302 Die Neusser Lateinschule wird am 4. Oktober 1302 in einer Urkunde zum ersten Mal erwähnt.
1562 Unter dem Rektor Heinrich Schirmer (1562–1585) wird die Lateinschule auf vier Klassen erweitert und erhält damit nach damaligen Maßstäben den Status eines “humanistischen Gymnasiums”.
1616 Am 14. November 1616 nehmen die Jesuiten im ehemaligen Franziskanerkloster an der Oberstraße den Unterricht in drei Klassen auf. Schulleiter ist Goswinus Nickel, der spätere Ordensgeneral der Jesuiten. Die Lateinschule wird als einjährige Vorbereitungsschule für das Gymnasium weitergeführt. 1619 wird die Schule auf fünf Klassen vervollständigt. Die Zahl von zunächst 20 Schülern steigt schnell an und erreicht 1666 den Höchststand von 258 Schülern.
1772 Nach der Aufhebung des Jesuitenordens wird der Unterricht zunächst von Ex-Jesuiten und Weltgeistlichen weitergeführt.
1783 Die Observanten, eine Untergruppierung der Franziskaner übernehmen die Schule. Schulgebäude ist jetzt das Observantenkloster am Freithof in der Nähe des Quirinus Münsters. In den ersten Jahren der 1794 beginnenden französischen Besetzung der Rheinlande bleibt das Franziskaner-Gymnasium zunächst bestehen.
1802 Im Zuge der Säkularisierung wird auch das Observantenkloster aufgelöst. Die Schule geht in städtische Trägerschaft über und wird 1803 nach der Vereinigung mit der Lateinschule und der deutschen Schule école secondaire und collège nach französischem Muster. Ab 1810 wird der Unterricht in sechs Klassen durchgeführt.
1814 Nach dem Abzug der Franzosen bleibt die Schule in der Trägerschaft der Stadt. Das “Collegium Novesiense” ist jetzt nach dem Standard des preußischen Schulwesens nur noch Progymnasium. In dieser Zeit werden etwa 100 Schüler unterrichtet.
1852 Im Zusammenhang mit der Einrichtung eines Knabenseminars in Neuss (Collegium Marianum) wird die Schule zum Vollgymnasium mit neunjährigem Unterricht und Abiturabschluß ausgebaut. Die Schülerzahl steigt bis auf 359 im Schuljahr 1869/70.
1875 Die Schule wird als Königliches Gymnasium in die Trägerschaft des Staates Preußen übernommen.
1889 Am 7. Januar wird der Schulneubau an der Breite Straße (heute Amtsgericht) eingeweiht. Schulleiter ist Dr. Karl Tücking. Bis zum Ersten Weltkrieg erhöht sich die Schülerzahl auf 420.
1918 Das Ende des Ersten Weltkrieges bringt die Abschaffung der deutschen Monarchien und die Umbenennung des “Königlichen” in ein “Staatliches Gymnasium” mit sich. Die Zahl der Schüler erreicht 1929 einen Höchststand von 573, geht in den dreißiger Jahren aber wieder zurück.
1930 Zur Einweihung eines Erweiterungsbaues an der Kanalstraße wird am 10. November die Bezeichnung “Quirinus-Gymnasium” ministeriell genehmigt.
1956 Der unter den Nationalsozialisten wieder abgeschaffte Name “Quirinus-Gymnasium” wird mit Erlass vom 7. September wieder eingeführt.
1974 Zum Jahresbeginn übernimmt die Stadt Neuss wieder die Schulträgerschaft.
1979 Am 29. Januar wird der Neubau auf dem ehemaligen Gelände des Collegium Marianum und des Gesellenhauses an Breite Straße und Sternstraße bezogen und am 8. September vom Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Höffner feierlich eingeweiht. Der Neubau war durch den starken Anstieg der Schülerzahlen in den siebziger Jahren (Höchststand 1140 im Schuljahr 1981/82) notwendig geworden. Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass sich der als Erzbischof von Köln zwar zurückgetretene, aber immer noch recht aktive Kardinal Frings Mitte der Siebziger Jahre für den Verkauf des Geländes zur Errichtung des neuen Domizils seiner alten Schule eingesetzt hat.
1984 Das Quirinus-Gymnasium beteiligt sich mit der historischen Klamauködie “Die Römer kommen” am offiziellen Festakt “2000 Jahre Neuss” in der Stadthalle.
1991 Auf Antrag der Schulkonferenz beschließt der Rat der Stadt Neuss die Einführung der Koedukation am Quirinus-Gymnasium.
1995 Die Abschlussfeier des Bundeswettbewerbs Latein für das Land Nordrhein-Westfalen findet im Rahmen eines großen Schulfestes am Quirinus-Gymnasium statt.
1997 Beginn des Klassen-Instrumentalunterrichts (Streicher- und Bläsergruppen in Sexta und Quinta) in Kooperation mit der Musikschule Neuss.
2000 Das Quirinus-Gymnasium beteiligt sich am Quirinusjahr 2000 mit zahlreichen Kunstarbeiten, darunter einem großformatigen Glasfenster. Das “Quirinusical”, eine musikalische Komödie über den Beginn der Quirinus-Verehrung in Neuss, bringt es im Jubiläumsjahr zu zahlreichen Aufführungen.
2008 Die Schülerzahl erreicht mit 1280 Schülerinnen und Schülern einen neuen Höchststand.
2010 Am 27. Februar 2010 wird die Mathematik-Olympiade des Landes Nordrhein-Westfalen am Quirinus-Gymnasium durchgeführt.

Dr. J. Hamacher – ehemaliger Schulleiter, Januar 2011