Griechisch

Fachdarstellung Griechisch qgnlogoklein

τὰ ἑλλενικά – διὰ τί

τὰ ἑλλενικά – διὰ τί; Warum eigentlich nicht (Alt-) Griechisch? Warum nicht gleich Keilschrift oder Bellen?

Gemäß diesem Motto bietet das Quirinus-Gymnasium im Differenzierungsbereich der Mittelstufe ab Klasse 8 das Fach „(Alt-) Griechisch“ an und setzt damit als altsprachlich-humanistisches Gymnasium mit über vierhundertjähriger Tradition innerhalb der Neusser Schullandschaft Akzente. Das Fach „Griechisch“ wird in den Jahrgangsstufen 8 bis 12 dreistündig unterrichtet und kann auch als ordentliches schriftliches oder mündliches Abiturfach belegt werden.

Das staatliche Graecum wird nach vierjährigem Griechischunterricht bei mindestens ausreichenden Leistungen am Ende der Jahrgangsstufe 11 verliehen. Da das Graecum nur noch an sehr wenigen Gymnasien in NRW abgelegt werden kann, stellt es eine wertvolle zusätzliche Qualifikation auf dem Arbeitsmarkt dar, aber auch eine formale Zugangsvoraussetzung für manche Studiengänge (z.B. Griechisch, Latein, Theologie, ggf. Alte Geschichte, Philosophie und Archäologie).

Griechisch – eine tote Sprache? Die Fachschaft „Griechisch“ muss diese Gleichsetzung entschieden verneinen, denn Griechisch lebt weiter, und zwar nicht nur im Fachchinesisch der Optiker, Chirurgen, Therapeuten, Psychiater, Psychologen, Anästhesisten, sondern auch in einer Vielzahl von Alltagsbegriffen:

Warum hat die Schule nichts mehr mit Freizeit und Muße zu tun? Müssen wir am Gymnasium eigentlich alle nackt sein? Warum hat die Theorie gegenüber der Praxis im Unterricht allzu häufig Vorrang? Muss jeder Physiker wegen des Energieerhaltungsgesetzes Griechisch lernen? Warum sind Lehrer eigentlich immer so kritisch?

Neben dem Fortwirken der griechischen Sprache vermittelt das Fach „Griechisch“ überfachliche Kulturtechniken – exemplarisch genannt seien eine vertiefte Lesekompetenz und Analysefähigkeit. Mit deren Beherrschung sind die Schülerinnen und Schüler befähigt, sich in einer zunehmend rascher verändernden und komplexeren Welt zurechtzufinden – eine wichtige Kompetenz, da Bereitschaft zu lebenslangem Lernen heutzutage eine unabdingbare Grundvoraussetzung im Berufsalltag darstellt.

Die Griechen als Urväter des Philosophierens versprühten überdies eine spürbare Lust am Formulieren, Disputieren und Spekulieren, die sich in rhetorischen und analytischen Techniken niederschlägt, die auch in unserer modernen Kommunikationsgesellschaft einen hohen Stellenwert beanspruchen.

Da im Griechischen mit großem Wortaufwand ausdifferenziert und nuanciert wird, schärft die Begegnung mit diesem sehr offenen Sprachsystem auch die Nuancierungs- und Differenzierungsfähigkeit im Deutschen – ein Synergieeffekt, der sich positiv auf die mündliche und schriftsprachliche Ausdrucksfähigkeit im Deutschen auswirkt. Warum also nicht Griechisch?

Γνῶθι σαυτόν. Der Altphilologe Bruno Snell sprach von der „Entdeckung des Geistes bei den Griechen“. Diese Entdeckung können die Schülerinnen und Schüler in einer Phase ihrer Entwicklung machen, in der sie zunehmend über Grundsätzliches reflektieren. Indem sie so zu einem zugleich kritischen und offenen Umgang mit der Welt und allem Neuen und Fremden geführt werden, trägt der Griechischunterricht wesentlich zur Persönlichkeitsbildung bei – einem auch auf dem modernen Arbeitsmarkt anerkannten Qualitätsmerkmal.

Durch die betreute Teilnahme an altsprachlichen Wettbewerben wie dem Bundeswettbewerb Fremdsprachen und dem Certamen Carolinum werden leistungsstarke und begabte Schülerinnen und Schüler individuell gefördert. In den letzten Jahren konnten immer wieder Griechischschüler und – schülerinnen des Quirinus-Gymnasiums mit ihren Wettbewerbsbeiträgen prämiert werden.

Die starke Durchdringung unseres Lebens und unserer Kultur durch das Griechische setzt sich in der thematischen Orientierung des eingeführten Lehrbuches Kairos fort: In der Mittelstufe stehen spannende und altersgerechte Themen aus den Bereichen der Mythologie und Geschichte im Mittelpunkt. Dabei lenkt die Begegnung mit dem Mythos den Blick auf seine Rezeption in der europäischen Kultur und Kunst, wo er bis heute fruchtbar und lebendig ist, wie auch zeitgenössische Rezeptionen im Medium des Films (z.B. 300; Percy Jackson; Hercules) immer wieder zeigen. In der Oberstufe wird der Themenkanon auch noch um die Bereiche Geschichtsschreibung (Herodot), Epos (Homer) und Philosophie (Platon) erweitert. Dadurch machen die Schülerinnen und Schüler unmittelbar eine Erfahrung von Originalität, da sie den Anfängen des naturwissenschaftlichen Denkens und Philosophierens, den entstehenden Literaturgattungen, neuen politischen Organisationsformen und einer frühen Blüte von Kunst und Architektur begegnen. Schließlich ist das Griechische auch die Sprache des Neuen Testaments und der frühen christlichen Autoren.

Um die Begegnung mit der Antike anschaulich und lebendig zu gestalten, bindet die Fachschaft „Griechisch“ außerschulische Lernorte im Rahmen von Exkursionen, Museums- und Theaterbesuchen in den Griechischlehrgang ein (u.a. Die Frösche des Aristophanes in altgriechischer Sprache, 2014 an der Universität zu Köln). Daneben lässt sich im Rahmen der in einem zwei- bis dreijährigen Rhythmus stattfindenden Griechenlandfahrt Antike hautnah erleben – ein Highlight jeder Griechischkarriere.

„Graeca leguntur in omnibus fere gentibus“? Auch ohne den Wahrheitsanspruch dieses ciceronianischen Diktums überprüfen zu wollen, freut sich die Fachschaft Griechisch auf alle Griechischschüler und solche, die es werden wollen.

Download: Fachdarstellung Griechisch

Curricula:

Curriculum SI: Curriculum S1

Curriculum SII: Curriculum S2

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