„Lieber ein unzufriedener Sokrates als ein zufriedengestellter Narr“, formulierte der englische Philosoph John Stuart Mill im 18. Jahrhundert. Aber stimmt diese Aussage wirklich – gerade angesichts der hedonistischen Verlockungen der heutigen Zeit?
Dem gingen unsere Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 und 6 auf den Grund. Denn das berühmte Gemälde von Pieter Brueg(h)el mit dem Titel „Das Schlaraffenland“, das den Ausgangspunkt für den diesjährigen Schreibwettbewerb Praktische Philosophie der Bezirksregierung Düsseldorf bildete, scheint im Gegensatz zu Mills Aussage zu stehen. Flüsse aus Milch oder Wein, Bäume, an denen fertige Speisen wachsen, ein Leben ohne Anstrengung und Arbeit. Schule adé – der pure Traum vom Glück. Oder?
Die Aufgabe war alles andere als leicht: Innerhalb von max. 90 Minuten – ganz ohne Internet, KI oder andere digitale Helfer – sollten produktionsorientierte Auseinandersetzungen mit einer philosophischen Problemfrage entstehen. Dabei konnten die Schülerinnen und Schüler zwischen einer Beispielgeschichte und einem inneren Monolog wählen und ihre Gedanken, Beobachtungen und philosophischen Überlegungen in Worte fassen: Ist ein Leben ohne Arbeit erstrebenswert? Macht purer Genuss glücklich? Macht ein Leben wirklich glücklich, wenn ich mich nicht mehr anstrengen muss?
Aus jeder Lerngruppe wurden von mir als Fachlehrerin jeweils die drei besten Arbeitsergebnisse zur Einsendung an die Bezirksregierung ausgewählt, und zwar von links nach rechts: Mikail Aydin (5b), Jade Zuschlag (5b), Diego Vierheller (5a); Maily Barzengi (6c), Lani Hasan (6c) und Emin Mutilovic (6c).
Mit viel Fantasie, sprachlichem Geschick und einem feinen Gespür für die philosophischen Fragen, die hinter dem Kunstwerk verborgen liegen, gelang es unseren erfolgreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, inspirierende Texte zu verfassen. Sie bewiesen, dass Philosophieren nicht nur im Gespräch, sondern auch beim kreativen Schreiben lebendig wird.
Stolz konnten unsere erfolgreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch vor den Sommerferien offizielle Teilnahmeurkunden, ausgestellt von der Bezirksregierung Düsseldorf, in Empfang nehmen – eine besondere Anerkennung für das Engagement und die Schreibfreude unserer Philosophinnen und Philosophen.
Wir gratulieren den oben genannten „Weisheitsliebhabern“ herzlich zu ihrer Leistung und bedanken uns bei allen, die mit Neugier, Ideenreichtum und Begeisterung an dem Wettbewerb teilgenommen haben. Sie haben gezeigt, dass philosophisches Denken viele spannende Wege kennt – und manchmal sogar mitten in ein Schlaraffenland des Geistes führt. Um es in angewandelter Form mit René Descartes zu sagen: „Scribo, ergo philosophus sum!“
Anne-Christine Wünsche
(Fachlehrerin Praktische Philosophie)
